Saidah Baba Talibah | Biografie

  • Gabby Young

Saidah | (S) Cream

Sie hat Soul, ist gnadenlos funky, kann Jazz, Blues und Rock, letzteren auch Hard'n'Heavy, und sie ist extrem sexy: Saidah Baba Talibah. Von der Presse wird die wilde, mitreißende Bühnenpräsenz der Kanadierin bereits mit Tina Turner verglichen und ihre unglaubliche Stimme als Mischung aus Minnie Riperton und Etta James beschrieben. Von sich selbst sagt die in der multikulturellen Großstadt Toronto lebende Musikerin: „Ich knurre. Ich schnurre. Ich gehe zu schönen Orten, zu unschönen Orten und zu nackten Orten mit meiner Musik.“ Diese bezeichnet sie kurz und knapp als „geilen Soul“, der klingt, „als hätten George Clinton, Jack White und Erykah Badu gemeinsam ein Kind gezeugt.“

Auf Saidah Baba Talibahs Debütalbum „(S)cream“, das jetzt auch in Deutschland erscheint - ergänzt um die triumphale, von kraftvollen Bläsern angespornte R&B-Hymne, „Revolution“, die als Musik zu einer Werbekampagne von Chevrolet bereits 2012 in Nordamerika für Furore sorgte -, vereint die Sängerin diverse musikalische Genres und eine Vielzahl an Inspirationen zu einem brillanten Gesamtkunstwerk, das niemand, ganz gleich welche Musik er oder sie mag, unberührt lässt.

Vom mächtigen Rock'n'Soul des Titelstücks bis zu den vertrackt tänzelnden Beats von „On My Knees“, vom Bulldozer-Groove von „So Cool“ bis zur klassischen Call-and-Response-Ballade „No More“, vereint „(S)cream“ alles, was Saidah Baba Talibah an Musik liebt und schätzt. Man hört die gesangliche Radikalität, die textliche Offenheit und den visionären Funk einer Betty Davis, die scharfen Gitarren und harten Funk-Rock-Rhythmen von Living Colour und Fishbone, den geschmeidigen Soul einer Chaka Khan, den unbezähmbaren Blues von Big Mama Thornton, die stilistische Freiheit von Prince, die Genialität von Stevie Wonder und sogar - im achteinhalb Minuten langen Soundtrip „Fall Again“ - die Klang- und Songexperimente von Saidahs Lieblingsband, Radiohead. 

Während ihre fulminante Band um die exzellente Gitarristin Donna Grantis, die neuerdings auch für Prince die Saiten bearbeitet, ein buntes Feuerwerk aus Sounds und Beats entfacht und sich in große Spiellust steigernd durch heiße Funk-Rhythmen pflügt, demonstriert Saidah Baba Talibah, dass sie mit ihrer Stimme einfach alles kann, jeden erdenklichen Stil, ganz gleich ob old oder new school. Mal intoniert sie ruchlos und „dirty“, dann wieder aufreizend, beinahe poppig. In der schnörkellosen Boogie-Rock-Nummer mit grandiosen Bläsern, „Place Called Grace“, klingt sie rau und erdig. In dem mit Streichern dekorierten „GittaKnowYa“ zeigt sie mit dramatischem Vibrato, dass sie auch auf einer Musical-Bühne begeistern würde. Und die samtweiche, akustische Soul-Ballade „Good Morning Baby“, die uns Saidah unendlich sanft und zärtlich ins Ohr schmeichelt, ist akustische Verführungskunst par excellence. 

Obwohl man leicht auf die Idee kommen könnte, Saidah Baba Talibah ist kein exotisch klingender Künstlernamen. Die Sängerin mit der extravaganten Haarpracht und der Vorliebe für harte Gitarren und veganen Lebensstil heißt tatsächlich genau so. Ihren afrikanischen Namen – Saidah bedeutet glücklich, Baba an einem Donnerstag geboren zu sein und Talibah steht für Suchen nach Wissen – hat sie von ihrer Mutter in die Wiege gelegt bekommen, zusammen mit einem phantastischen musikalischen Talent. Saidahs Mutter ist die Tony und Grammy nominierte Sängerin Salome Bey, „Canadas First Lady Of Blues“. Ihr Onkel ist der Jazz-Sänger und Pianist Andy Bey, den der große John Coltrane als seinen Lieblingssänger bezeichnete. Ihre Tante ist die Jazz-Sängerin Geraldine Bey de Haas, die mit ihren Geschwistern in den 1960er Jahren das populäre Vokal-Trio Andy and the Bey Sisters bildete. Und auch Saidahs Schwester sowie die Vettern und Kusinen sind erfolgreiche Sänger und Sängerinnen. Zudem gibt es in ihrer Familie Schauspieler, Schriftsteller und diverse Musiker. Kaum vorstellbar also, dass Saidah einen nicht künstlerischen Beruf ergriffen hätte. Allerdings versuchte sie sich an der Kunstschule in Toronto nicht gleich als Sängerin, sondern zunächst als Tänzerin. Außerdem lernte sie Tuba spielen ein eindrucksvolles Blasinstrument, das auch auf „(S)cream“zu hören ist, etwa im Intro von „Do It“. Doch seit sie die Highschool abgeschlossen und eine professionelle Gesangsausbildung absolviert hat, ist Saidah Baba Talibah das, was sie schon als Kind, während sie ihre Mutter auf Konzertreisen begleitete, immer sein wollte: eine Vollblutsängerin, die auf der Bühne und im Studio mit einer Inbrunst und Passion röhrt und faucht, kratzt und beißt, wütet und schmeichelt, flüstert und schreit, als stünde ihr Leben auf dem Spiel.  

Spätestens mit der Veröffentlichung ihres von der Kritik gefeierten Debütalbums, gilt Saidah Baba Talibah in Kanada und nicht nur dort als ganz große Alternative-Rock- und Soul-Hoffnung. Mit ihrem schweißtreibenden, zeitlosen Mix aus Soul, Rock, Funk und Blues, den sie mit ihrer Band inklusive Keyboards, Background-Sängerinnen und Bläsern auf die Bühne bringt, hat sie bereits Torontos renommierten Soundclash Music Award abgeräumt – vor der Konkurrenz von 300 Mitbewerbern aus diversen Genres. Sie war als Support der schwedischen Electro-Soul-Pop-Band Little Dragon auf Tour, trat neben Bootsy Collins auf dem Toronto Jazz Festival auf und begeisterte auf Festivals in den USA, Singapore und Frankreich. Und auch hierzulande hat die grandiose Vokalistin mit der fantastischen, klangfarbenreichen Stimme und energiegeladenen Bühnenperformance bereits auf dem renommierten Reeperbahn Festival in Hamburg sowie zuletzt beim L-Beach-Festival an der Ostsee, Weissenhäuser Strand, nachhaltig beeindruckt. Wer Saidah Baba Talibah dort verpasst hat, kann sich nun bis zu ihren nächsten Konzerten in Deutschland mithilfe des Debütalbums „(S)cream“ von ihren außergewöhnlichen Qualitäten  überzeugen. Aber Vorsicht, ihre Stimme kann süchtig machen und der Groove von Songs wie „Revolution“, „Do It“, „Bang It Back“ und „Place Called Grace“   Dauerzuckungen in den Beinen verursachen.

„(S)cream“ ist „nur“ der Anfang. Saidah Baba Talibahs zweites Album, „Red, Black & Blue“, das sie den drei wichtigsten Frauen in ihrem Leben widmet, ihrer Mutter, ihrer Schwester und ihrer Tochter, und dessen Produktion sie mit Hilfe von Fan-Funding finanziert hat, wird in Kürze in Kanada veröffentlicht. 

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