Emily Maguire | Biografie

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Die Geschichte der Emily Maguire steckt voller harter Schicksalsschläge und wunderbarer Fügungen. Die britische Singer-Songwriterin, die ihre Musikerkarriere im Grunde genommen in der australischen Wildnis begann und die es bis in die Londoner Royal Albert Hall geschafft hat, kann fürwahr auf eine recht ungewöhnliche Künstlerkarriere zurückblicken. In diesen Tagen erscheint mit „Bird In A Cage“ ihr nunmehr viertes Album, mit dem sie zugleich ihr Deutschlanddebüt gibt. Emily Maguire schreibt brillant pointierte, feinfühlige und inspirierende Texte. Sie hat eine „höchst ausdrucksvolle Stimme“ (Rock’n’Reel Magazine), ist so eloquent wie seinerzeit „Sandy Denny und Judy Collins“ (Uncut). Gleichwohl ist die sympathische Sängerin hierzulande noch weitgehend unbekannt, was sich mit „Bird Inside A Cage“ nun ändern dürfte. 

Emily Maguire, in London geboren, hatte das Glück einer ausgeprägt musikalischen Früherziehung, zu der Cello, Piano und Flöte gehörten. In ihrer Jugend schon auf dem Sprung zur klassischen Cellistin, litt sie mit 16 Jahren erstmals unter starken Depressionen und musste Anti-Depressiva nehmen. Nach einem Autounfall musste sie zudem wegen einer in der Folge auftretenden Rheumaerkrankung lange Zeit das Bett hüten. In jener Zeit brachte sie sich das Gitarre Spielen bei und begann, erste Songs selbst zu schreiben. Bach, Bob Marley und Buddha seien ihre größten Einflüsse, hat sie einmal gesagt. Kurz nach ihren ersten öffentlichen Auftritten kam sie wegen einer starken Psychose erstmals in eine psychiatrische Klinik. Als es ihr gesundheitlich wieder besser ging, verließ sie das graue London und nahm die Einladung eines Freundes an, ihn im australischen Hinterland zu besuchen. Aus ein paar Wochen wurde schließlich ein neuer Lebensmittelpunkt.  Aus dem Freund wurde ihr späterer Ehepartner Christian Dunham. Sie lebten in einer Art Öko-Haus aus recycelten Materialien und verdienten ihr Geld mit dem Verkauf von Ziegenkäse aus eigener Herstellung. 

Gemeinsam mit Christian, der auf allen ihren Alben am Bass zu hören ist, nahm sie 2003 auf einer alten Farm ihr erstes Album auf, „Stranger Place“, das auf dem eigenen Label Shaktu Records erschien. Erste Konzerte in Australien und Großbritannien folgten, aber erst mit dem Titelsong aus dem im Jahr 2006 veröffentlichten Album „Keep Walking“, das sie ebenfalls in Australien aufgenommen hatte, schaffte sie es nicht nur auf die australischen Playlists, sondern auch auf die Playlists von BBC 2. Ihr eigentlicher Durchbruch folgte im Jahr 2007. Nachdem sie drei Monate lang durch Pubs und Clubs des Vereinigten Königreichs getingelt war und schon fast die Rückreise nach Australien antreten wollte, rief sie Philip Tennant an, der Manager der Waterboys, der ihren Song „Back Home“ gehört hatte und fragte, ob sie nicht Lust hätte als Support der UK-Tournee der US-Folklegende Don McLean aufzutreten. Ein Angebot, das sie nicht ausschlagen konnte. Das Abschlusskonzert fand in der legendären Londoner Royal Albert Hall statt. In der Folge frisch gewonnener Popularität blieb sie erst einmal in Großbritannien, spielte live unter anderem mit Paul Brady, Roddy Frame, Glenn Tilbrook und Blue Nile, trat auf dem Glastonbury Festival auf und nahm schließlich auch in London mit „Believer“ ihr drittes Studioalbum auf, das von etlichen britischen Musikmagazinen glänzende Kritiken bekam. 

Im Jahr 2010 veröffentlichte Emily ihre Biographie „Start Over Again“, eine beeindruckende literarische Collage aus Prosatexten, Gedichten, Songlyrik und Tagebucheinträgen und machte damit ihre Bipolare Störung, ihre manisch-depressive Erkrankung, erstmals öffentlich. Sie schildert darin ihren Kampf mit der Krankheit, aber auch die Möglichkeiten, diese als künstlerische Triebfeder zu nutzen. Sie spielte eine Reihe von Konzerten in psychiatrischen Kliniken, wo ihre Songs sowohl bei den Patienten als auch beim Personal großen Anklang fanden. Ausserdem taucht sie regelmässig in Talkshows und Radiosendungen auf, um ihre positive Sicht auf die Dinge zu vermitteln und Menschen mit ähnlichen Krankheiten Zuversicht und Hoffnung zu vermitteln. Ihr Song „Keep Walking“ wurde sogar für eine Kampagne zum Kampf gegen Depressionen eingesetzt. 

Doch reich ist Emily Maguire durch ihre künstlerischen Schritte nicht geworden, und so finanzierte sie ihr nächstes Album mit Erfolg durch Crowdfunding. Für „Bird In A Cage“ konnte sie den renommierten britischen Produzenten Nigel Butler gewinnen, der mit so unterschiedlichen Künstlern wie k.d. Lang, Robbie Williams und Tom Jones gearbeitet hat und einer der Produzenten der TV-Show X Factor ist. Emilys Kompositionen gediehen unter seinen Fittichen, und Songs wie „Beautiful“ oder die erste Single „Over The Waterfall“ avancierten zu kraftvollen Pophymnen, durch die gelegentlich ein warmer Hauch von Laurel-Canyon-Ästhetik weht. „Over The Waterfall“  würde auch sofort als neue Adele Single durchgehen. Es ist faszinierend, von wie viel mitreißender Euphorie und positiver Ausstrahlung die meisten Songs von Emily Maguire getragen sind, nicht wenige bestechen durch einen erlösend schönen Refrain. Neben so erhebenden Songs wie „Don’t Speak“ wartet Emily Maguire aber auch mit eindringlichen Balladen wie dem fein perlenden „Rain“, dem zärtlichen Shuffle „Old Valentine“ oder dem pittoresken „Bicycle Made For Two“ auf. Zu dem Titelsong „Bird In A Cage“ wurde Emily durch das Schicksal der englischen Journalistin Melanie Reid inspiriert, die nach einem Pferdeunfall querschnittsgelähmt ist und seitdem in der englischen Times regelmäßig „The Spinal Column“ schreibt. Als sie in einer Kolumne ihr erstes Jahr im Rollstuhl schilderte, war Emily so berührt, dass sie „Bird In A Cage“ schrieb, den krönenden Abschluss ihres hier vorliegenden Albums, dessen Songs nun auch hierzulande entdeckt werden können. 

 

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